"TuS Hemmerde filletiert RW Unna II", war am Sonntagabend auf der Seite fussball.de zu lesen.

Im automatisch erzeugten Spielbericht war davon die Rede, dass der TuS dem Gegner "das Fell über die Ohren gezogen" habe. Oder wie Kapitän Chrissy Beyer schelmisch nach dem Abpfiff mit dem ihm eigenen Ruhrpottdialekt kund gab: "Abgeledert ham wa se!" 

Überbewerten - und das wissen die Hemmerder Verantwortlichen auch - sollte man den Kantersieg natürlich nicht. Lieferte die Mannschaft den zahlreichen Zuschauern im TuS-Tempel zwar ein Offensivspektakel, so ist im Defensivverhalten des Teams noch ordentlich was zu tun. 

Die Statistik sprach vor dem Unnaer Stadtderby eine klare Sprache. Auf der einen Seite der im eigenen Tempel noch ungeschlagene TuS und auf der anderen Seite die auswärts noch punktlosen Unnaer, die auf fremdem Geläuf bis dato gerade vier mal das gegnerische Tor getroffen hatten. Doch von den Zahlen alleine kann sich keiner etwas kaufen und so mussten die nachfolgenden 90 Minuten erstmal erfolgreich bestritten werden. 

Der sportliche Leiter Sascha Schumann hat in seiner Karriere als Fußballer und Trainer sicher schon so Einiges erlebt. Dass aber eine Mannschaft bereits eine Stunde vor dem Anpfiff beim Heimverein eine Kiste Bier ordert, war auch für den neuen Grillmeister des TuS neu. Bei den Gästen wird die Kreisliga eben noch gelebt. Respekt, Männers! Für Unruhe sorgte kurz vor dem Anpfiff die Anwesenheit von Fotograf Michael Neumann. So kostet es jeden TuS-Spieler und -Trainer, wenn er unter der Woche auf einem Bild des Hellwegers auftaucht. Dabei reicht auch häufig schon ein Körperteil, welches den Betreffenden eindeutig identifiziert, was vor dem gemeinschaftlichen Kreis vor dem Spiel dafür sorgte, dass ein Verantwortlicher versuchte die eigenen Füße hinter den Mitspielern zu verstecken.

Es ist nicht mehr festzuhalten, ob die Hemmerder Ultras die erste Flasche kühlen Gerstensafts bereits geleert hatten, als der TuS den Ball das erste Mal im Netz des Gegners untergebracht hat. Jedenfalls benötigt Ralf Zarych hierfür weniger als vier Minuten, um den gegnerischen, nicht besonders groß gewachsenen, Keeper mit einem Lupfer etwas umständlich aus fünf Metern Torentfernung in Führung zu bringen. Dies gab dem TuS das nötige Selbstvertrauen für weitere Offensivaktionen. In der Defensive sollte Lars Goecke als Sonderbewacher Unnas Toptorjäger Marco Villani am Toreschießen hindern. Vorweg: Dieses Vorhaben klappte bis zum ersten Tor von Villani auch ganz gut. Etwas mehr Ladehemmung hatte da zunächst TuS-Stürmer Martin Kuhlmann, der zunächst im gegnerischen Torhüter seinen Meister fand. Besser machte es Kollege Sven Fischer, der sich von seinem Gegenspieler absetzte und auf Vorlage von Kuhlmann zum 2:0 erhöhte. Da Dominik Berz im Kasten des TuS zweimal rechtzeitig zur Stelle war, konnte auf der anderen Seite Chrissy Beyer mit einem platzierten Schuss ins Eck für eine komfortable 3:0-Führung sorgen.

Wie schon in vorangegangenen Partien ließ es der TuS daraufhin etwas schleifen. Dies wurde prompt bestraft, denn Gästestürmer Villani traf zum 1:3-Anschluss. Mit diesem Resultat und der Gewissheit, dass die Zuschauer wohl weitere Tore sehen werden, ging es in die Halbzeitpause.

In der zweiten Halbzeit plätscherte die Partie in der ersten Viertelstunde mit einer gefährlichen Situation nach einem Hemmerder Ballverlust so vor sich hin. Beruhigung brachte erst das 4:1 durch Chrissy Beyer, der einen Freistoß sehenswert im Tor unterbrachte. Während bei Unna nun die Konzentration abnahm, legte der TuS nach. Freddy Beckhoff bediente Tanino Foit, der auf 5:1 erhöhte. Kurz darauf war es dann endlich Martin Kuhlmann, der auf Vorarbeit von Fischer zum 6:1 traf.

Während der TuS dieses besondere Ereignis noch feierte, verkürzte Unnas Villani auf 2:6. Es entwickelte sich in der Schlussphase ein munteres Spiel, in dem beide Seiten viel Spaß am Offensiv-, aber weniger Sorgen um das Defensivspiel hatten. Erst verwandelte Kuhlmann einen Foulelfmeter, den er selbst rausgeholt hatte, souverän. Dann war es nur eine Minute später erneut Villani, der mit einem sehenswerten Schuss aus der Distanz sein drittes Tor markierte. Damit war aber noch nicht Schluss. Unter den Augen des SG-Massen-II-Trainers Peter Abel setzten Zarych und Sven Fischer, der von Beyer bei einer Freistoßvariante in Szene gesetzt wurde, nochmal zwei Treffer oben drauf.

"Grundsätzlich bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und freu mich auch über die drei Punkte. Auf der anderen Seite ärgern mich diese drei Gegentore maßlos. Der Sieg ist natürlich trotzdem verdient, darauf kann man aufbauen. Wir freuen uns jetzt auf die SG Massen", lautete der Kommentar von Trainer Damian Glombik. Seine Mannschaft traf sich nach dem Spiel noch zum Essen in der "Post". Mittelfeldmotor Raphael von Rekowski, diesmal angeschlagen nicht im Einsatz, war nicht darum verlegen, seinem Co-Trainer, der die rechte Hand seit zwei Wochen in Gips trägt, ein Stück Brot zu schmieren: "Ich habe ja heute nicht gespielt! So langsam muss ich wieder für meinen Einsatz nächste Woche arbeiten", meinte er mit einem Augenzwinkern.

TuS Hemmerde - RW Unna II     9:3 (3:1)

TuS: Berz - Goecke, Glombik, Kimpel (71.Schole), Beckhoff - G.Foit, Goecke, Beyer - Kuhlmann, Zarych (61.Berkemeyer) - Fischer

1:0 Zarych (4.), 2:0 Fischer (20.), 3:0 Beyer (33.), 3:1 (39.), 4:1 Beyer (53.), 5:1 G.Foit (65.), 6:1 Kuhlmann (69.), 6:2 (70.), 7:2 Kuhlmann (76., FE), 7:3 (77.), 8:3 Zarych (87.), 9:3 Fischer (90.)

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